Freitag, 30. April 2010

Stadtlauf Kaltenkirchen

Am ersten Mai steht die Teilnahme an meinem ersten offiziellen 10km Stadtlauf an. Ich habe mir dafür den Kaltenkirchender Stadtlauf ausgesucht.

Vor zwei Jahren hatte ich eine Wette im Forum von laufen-aktuell.de (Runners-World hat das Forum ja inzwischen übernommen) Damals war die Ansage das ich zum 10.000 Beitrag im Forum 10.000 Meter laufen würde. Wetteinsatz sollte eine gemeinnütziger Zweck oder eine andere originelle Idee sein. Mein Einsatz ist die Einladung des Gewinners oder der Gewinnerin zu einem Essen und Übernacht und  einem Kulturrundgang in Hamburg. Zwischenzeitlich war die Wette fast vergessen, da die Anzahl der Postings von mir doch deutlich zurück gegangen ist.

Nachzulesen ist der aktuelle Wettstand im Forum hier 
Die ganze Geschichte der Wette gibt es hier 

und hier nun die Urkunde




und hier mein Bericht:


Zähne Zusammenbeißen in Kaltenkirchen.

Endlich ist es soweit: Mein erster 10km Lauf, seit 2 Jahren im Forum bei Laufen-aktuell.de angekündigt, hat heute stattgefunden. Ich selbst hatte keine wirkliche Vorstellung davon, wie es sich anfühlen würde, 10km mit voller Belastung zu laufen und welche Zeit dabei herauskommen würde. Es liefen im Forum dann Wetten auf meine Zielzeit. Ich selbst hätte mich deutlich eher um rund um 55 Minuten eingeschätzt als um 50 Minuten. Doch die Optimisten sollten Recht behalten.

Wie war es nun? Als ich am Morgen das Haus verließ, fiel mir auf, dass einer meiner Laufschuhe an der Seite mehrere cm aufgerissen war. Die Zeit hätte zwar noch knapp gereicht zum Schuhe tauschen, aber ich ließ es bewenden und nahm in Kauf, dass mir der Schuh unterwegs abfallen würde. Wäre auch eine nette Geschichte. War aber kein Problem. Bei der S-Bahn Fahrt wäre ich fast noch falsch umgestiegen und hätte auch noch den Start verpasst. Irgendwie fing das komisch an. Weiter gingen die merkwürdigen Dinge als ich in Kaltenkirchen an der Anmeldung stand. Ich: „Die Unterlagen für „Martin Schmitz“ bitte, mit TZ“. Die nette Dame sucht und sucht und reicht mir dann mit einem fragenden „Schmidt Verena?“ einen Umschlag. Darauf hin bat ich Sie, mich noch einmal genau  anzuschauen und schlängelte mit den Händen an meinem Körper entlang: „Sieht so Verena aus?“ Nach einigem Suchen fand sich der richtige Umschlag dann doch. Dass die Umkleiden ein paar hundert Meter in einer Sporthalle sein sollten hatte ich im Internet schon gelesen. Ich fragte die drei Damen am Anmeldestand danach. Es machte mich schon etwas stutzig, dass erst nach einigem überlegen ganz vage in Richtig Westen gezeigt wurde. Das sei aber weit weg sagte man mir noch. Nun gut, es waren ja auch noch 45 Minuten bis zum Start, sollte schon klappen. Ausschilderung war Fehlanzeige. Es folgte die Befragung mehrerer Passanten, die sich meist nicht wirklich auskannten. Irgendwann hatte ich die Halle (schon langsam im Laufschritt) erreicht. Allerdings von der geschlossenen Rückseite. Ich wurde rumgeschickt und begegnete anderen ratlosen Läufern. Auch auf der anderen Seite waren alle Eingänge geschlossen. Entscheidung  von Matthew, den ich bei dieser Gelegenheit kennen lernte, und mir: Dann ist diese Tischtennisplatte hier auf dem Schulhof jetzt eben die Umkleide und der Busch dort das WC. Gesagt, getan. Kurzer Umziehstrip und dann zum Start. Dort gab es dann sogar auch einen LKW für Wertsachen und Gepäck. Auch schon mal was.

Noch ca. 25 Minuten bis zum Start. Leider kein wirklich bekanntes Gesicht. Warmmachen soll ja sinnvoll sein. Also fing ich an, es anderen, offensichtlich ambitionierten Läufern, nachzumachen. Leicht traben, dann etwas Hopserlauf, dann die Beine anflexen. Zwischendurch mal an prominenter Stelle etwas dehnen, die anderen beobachten, total wichtig tun. Toll!

Ca. 5 Minuten vor dem Start reihte ich mich in die knapp 300 Läufer ein. Nach eigener Einschätzung wählte ich meinen Platz so im Mittelfeld, eher etwas hinten. War auch egal, denn es wurde ja mit Championchip gemessen und auf das Podium würde ich eh nicht kommen. War ja kein Walking-Wettkampf, der war ja schon vorher auf der 5 km Runde. Schon komisch, nicht als Walkingfavorit anzutreten sondern als Laufanfänger, der unter Garantie nicht vorne mitspielen würde.

Countdown und los ging es. Der Pulk löste sich schon bald auf und es ging in die erste Runde. Schon beim Start hatte ich mich umgesehen, ob ich nicht eine hübsche Häsin finden könnte. Eine Kanditatin von der Kaltenkirchner Feuerwehr stand schon beim Start in meiner Nähe, aber das Tempo müsste halt stimmen. Recht motiviert auf den ersten zwei km ging es los und am Anfang war die Feuerwehrfrau auch noch auf meiner Höhe. Allerdings war ich so hoch motiviert, dass ich meinte, ich müsste schneller laufen, schließlich liefen ja 13 Wetten auf mich. Nach dem ersten oder dem zweiten km schaute ich mal auf die Uhr und stellte fest: upppps, das ist aber sehr schnell, ob das nicht zu schnell ist? Der Atem ging recht laut, aber immer schön gleichmäßig mit den Schritten. Ich ermahnte mich selber vielleicht etwas langsamer zu laufen, aber rundherum liefen ja alle in dem Tempo und ich sagte mir: War dir doch schon vorher klar, dass es anstrengend sein würde, stell dich nicht so an, langsamer werden kannst du immer noch usw…. Die km zogen sich hin und beim dritten oder vierten km hörte ich jemanden neben mir zu seinem Kollegen sagen: „Ey wir laufen 4:30 auf den KM“ Ist doch OK sagte der andere. „Nein“ dann der Erste „wir wollten doch 4:40 bis 4:50 laufen!“ Solche genauen Zwischenzeiten und Berechnungen hatte ich ja nicht gemacht. Nur ist es bei 10 km ja ganz einfach. 6er Schnitt ist das, was ich so meistens trainierte, 5er Schnitt wäre eine 50min Zeit, die mir vorher utopisch optimistisch schien, und jetzt war ich noch schneller als auf 50min Kurs, und soooo schlimm war es nach 3-4 km noch nicht.

Es zog sich dann allerdings bis zum Start-Ziel-Bereich. Viel mit `mal ein bisschen beschleunigen für das Publikum´ war nicht, und überhaupt: Heee das war erst die Hälfte gleich! Die jubelnden Menschen, die ich sonst sehr mag, bei Wettkämpfen, bauten mich nicht wirklich auf. Ich wusste: Ich sehe einfach nur angestrengt und übel aus und auch das Jubeln würde mich nicht schneller machen. Und schöne Frauen liefen auch nicht vor mir her. Nur Junge und teilweise auch erstaunlich alte Männer. Einzelne zogen sogar langsam davon. Langsam zwar, aber doch so, dass ich nicht dranbleiben konnte. Kurz vor dem Durchlauf des Start-Ziel-Bereichs sah ich Marc und Susanne, und konnte mit letzter Kraft noch ‚“’Maaaarc“ rufen. Normaler Plausch war bei diesem Lauf nicht drin und auch die höflichen zurück-gruß-aktionen an die Zuschauer von mir fielen sehr knapp mit einem leichten Handheben aus. Lächeln wäre eindeutig zu anstrengend gewesen.

Im Start/Zielbereich warf ich meine Kappe in die Ecke, Luft, und Wasser auf den Kopf mussten sein. (obwohl sich der Himmel inzwischen stark bewölkt hatte und Regen im Anmarsch war)

Jetzt muss der Kopf die Beine steuern. Die Beine wollten gerne langsamer, der Kopf vermeldete Durchhalteparolen an die Beine. In etwa so:
Jetzt stellt euch nicht so an ist nicht mehr weit.
Ihr wusstet doch dass es hart sein würde, also jetzt mal los.
Im Internetforum hat man auf euch gewettet. Nun zeigt mal was ihr könnt.
Ist doch viel kürzer als ein 100km Marsch hier. Das Ende ist doch absehbar.
Ausruhen kannst du dich nachher noch.
Das Gefühl im Ziel wird großartig sein wenn der Schmerz nachlässt.

Ein Gedanke folgte dem anderen, ich schwamm so im Feld weiter mit, aber ab und an kamen jetzt Profis von hinten, die sich die Kräfte gut eingeteilt hatten. Erstaunlich locker zogen die an mir vorbei (Wobei die wahrscheinlich gar nicht soooo viel schneller waren, aber es ging eben nicht mehr viel an Beschleunigung.) Ich achtete jetzt nicht mehr auf die Uhr. Ich wusste, es läuft immer noch nicht wirklich schlecht, es wird halt jetzt einfach immer anstrengender bis in Ziel. Dass 10km einfach nur anstrengend sein sollten, von Start bis Ziel, hatte ich im Forum ja schon öfter mal gelesen.
Ca. 3 km vor dem Ziel meinte ein Zuschauer dann was von 150er im Feld (was nicht stimmte es waren höchstens 100 vor mir) und dass da ja jetzt die erste weibliche Jugend kommen würde. Die alten Reflexe setzten ein. Nicht umdrehen, abwarten, und da kam sie, ca. 160 groß und vielleicht 16 Jahre alt. Zu jung und zu dynamisch um mir als Häsin (alter chauvi! Die Lektorin!)  zu dienen sagte das Hirn den Beinen und ließ sie ziehen. Doch jetzt nahten schon wieder Schritte von hinten. Dabei: „Meine Feuerwehrfrau“ mit "fit for fire" auf dem shirt von der Kaltenkirchener Feuerwehr. So, sagte das Hirn den Beinen. Die wird jetzt nicht laufen gelassen. Wenn du da nicht dran bleibst woran dann denn. Also Energiereserven angezapft, soweit wie möglich und einfach versucht dranzubleiben. Zum Glück war Sie nicht so dynamisch das Mädchen vorher. Alles egal, dran bleiben. Noch zwei Km, noch ein km. Wann kommt endlich die Zielgerade. Da hinten der Kirchturm, mann, ist der noch weit weg. Ich komme wieder bei Marc vorbei. Er fragt noch: Hast du überhaupt schon die 10,000 Beiträge. Ich versuche zu antworten, muss mich aber kurz fassen. Viel reden geht jetzt echt nicht. Boah die grillen am Straßenrand, das kommt gerade gar nicht gut. Auch der Gegenverkehr auf der freigegebenen Fahrbahn nervt. Die Lunge will jetzt ganz saubere Luft.
Dann die Zielgerade. Immer noch neben oder hinter der Feuerwehrfrau. Jetzt ist das Ende nahe. Komm sagt das Hirn: Jetzt noch mal Gas geben. Da geht doch noch was. Zeig des dem Publikum. Und wirklich, auf den letzen 100 Metern kann ich noch mal ein kleines bisschen anziehen und renne durch das Ziel. Drücke auf die Uhr und: 48 Minuten, Wahnsinn, aber im Moment egal. Das Mädchen mit den Medaillen. Praktisch: Kopf runter und Hände auf die Knie. Atmen, Luft bitte, das Herz schlägt immer noch auf Hochtouren. Ein paar Schritte. Wohin setzten. Keine Sitzgelegenheit. Dort ein Baum. Ich lasse mich nieder und lehne mich an den Baum. Der Atem kommt ganz langsam runter, der Puls auch. Kopf an Beine: Brav gemacht habt ihr das, geht doch. Beine an Kopf: Blöder Sack was sollte das.

Der Ansager gibt die nächsten Ankommenden durch.  Ich gehe langsam zurück zum Zielbereich. Und da wird ein Läufer angekündigt, mit dem Geburtsjahr 1930! 80 Jahre und 52 Minuten auf 10km. Respekt, Respekt eine Wahnsinnleistung! Ich schaue mir die Zieleinläufe noch bis zur vollen Stunde an und freue mich, wie viele da doch noch kommen. Dann zum Verpflegungsstand, da gibt es ja sogar Alkfreies Erdinger. Sehr gut. Noch ein Äpfelchen denke ich mir und wundere mich, wie salzig das schmeckt. Ich komme erst nicht drauf, bis ich mal über die Lippen und die Hand lecke. Die kostbarste Flüssigkeit der Welt, Beamtenschweiß auf meiner Haut! Na so was.

Es wird kühler, ich hole meine Sachen und spare mir den Weg zur Sporthalle, von der man nicht weiß ob sie inzwischen offen ist. Also ohne Duschen Umziehen auf dem Markplatz. Dann eine Portion Pommes. Nur 1 Euro. Ordentlich Mayo und Ketchup drauf. Das halbe Hähnchen für 2 Euro verkneife ich mir aber. Im jetzt einsetzenden Nieselregen noch ein großer Becher Kaffee und eines der letzten Stücke Kuchen vom Büffet.

Dann trollte ich mich zur AKN, um gemeinsam mit vielen HSV Fans, jeder mit einem Bier in der Hand, nach Hamburg zurückzufahren. Zuhause nach einer schönen Dusche, Kaffee und Kuchen merkte ich wie die Zähne anfingen zu klappern und knirschen. Normalerweise knirsche ich nur manchmal Nachts unbewusst mit den Zähnen aber dieser 10km Lauf war dann doch wohl was für das Unterbewusstsein. Hirn an Kiefer, beiß dich durch sozusagen. Also Zahnknischschiene in den Mund, Kompressionsgamachen an die Waden und ab in die Heia. Jetzt am Abend geht es schon wieder und ich kann schon wieder, ohne Zähnegeklapper, diesen Bericht tippen. Glückwunsch denen die bis hierhin mit dem Lesen durchgehalten haben. Dieser Besondere Bericht sollte ruhig etwas ausführlicher werden. Ich hoffe er hat gefallen und freue mich über Kommentare.





Sonntag, 25. April 2010

Bekannte treffen beim Hamburg Marathon 2010

 Alle meine Bilder vom Hamburg Marathon 2010 gibt es hier. Dowload in voller Auflösung erlaubt.

Die Bilder von meinen Bekannten sind hier zu finden.

Auch dieses Jahr keine offizielle Teilnahme am Hamburg Marathon. 70 Euro erscheinen mir einfach unangemessen und das was toll ist, die Stimmung und die Strecke, gibt es auch gratisAlso ausgeschlafen, Start am Fernsehn geguckt und ab mit der Bahn zum Jungfernstieg. Gerade rechtzeitig um die ersten Läufer und Läuferinnnen noch mitzukriegen.

Als erstes Bekanntes Gesicht passierte "der Wentdorfer " au dem Forum mit Kurs auf 3h30. Er sah nach 16 km noch richtig gut aus!
Dann folgten der "Jublu" aus dem Ruhgebiet und der Ottoerich als Hamburger, entschultdigung, als Altonaer Lokalpatriot. Gleich zwei attraktive Damen begeleiteten ihn.

Ja so lässt es sich lustig laufen! Fidi und Steif unterstützten mich dann auch noch an der Kennedybrücke. Dann folgte der erste bekannte Walker, meine alter Mitstreiter und Sportskollege Karl-Heinz. Sein 25. Marathon in Hamburg wie er erzählte. Es folgte Walker Holger und Walkerin Maarit aus Finnland. Dann kam der Läufer "Gnies" also Greogor der alte Streakrunner angelaufen. Dann "mein" Walkinggirl Heike, gefolgt von Rennschnecke Ute und von Moni aus Rostock. Zuletzt dann noch der Mathias, den ich vom Waldhessenlauf her schon kannte. Die Zielzeit würde aber wohl doch zu knapp meinte er. Ein späterer Ausstieg war schon eingeplant.Ich wechselte in Richtung Dammtor auf die zurückführende Strecke wo man nun bei km 40 war und hier auch schon die ersten Läufer kamen. Ganz gemütlich ging ich den Läufern entgegen bis zur Partymeile in Eppendorf. Dort wartete ich dann bis Heike wieder ankam und begleitete Sie. Eigentlich wollte ich nur bis zum Dammtor, da zu Hause der Cafe wartete. Aber Heike bat um Unterstützung, nahm meine Hand und ab ging es unter viel Motivation der Zuschauer die letzten zwei Km bis ins Ziel, wo wir knapp nach Moni aus Rostock in einer guten Zeit von ca. 5h36 ankamen.Ein netter Marathontag in Hamburg bei bestem Wetter.

Mal ganz gemütlicht. Geht auch mal!

Und hier das Einmarschvideo mit Heike auf der Glacischaussee

Sonntag, 18. April 2010

Humpeln für einen guten Zweck in Oberhausen.

Wer gleich alle Bilder sehen möchte:  
Hier geht es zu den Bildern

Hier geht es zur Homepage der Veranstaltung 

Bildgalerie von Siegfried

Im September 2009 war der erste Kultur-run in Oberhausen. Nach acht 100km Märschen in 2009 der Saisonabschuß: 24 Stunden und 128 km waren es damals. Und: es hatte mir sehr gut gefallen. Also wollte ich da natürlich wieder hin. Sieben Monate liegen zwischen diesen beiden Kulturruns. Nur: Im Winter habe zwar angefangen etwas zu laufen aber nicht mehr wandern oder walken trainiert. Eine Tatsache die mir nicht besonders bedeutsam erschien bei diesem 24 Stunden Lauf, der doch im letzten Jahr so nett und gar nicht so übermäßig anstrendend gewesen war. So locker sollte es allerdings dieses Mal nicht werden.

Am Anfang war es wie "nach Hause kommen". Viele Gesichter und Menschen die schon bekannt waren und herzliche nette Begrüßungen, eine gute Stimmung am  Freitag Abend. Über 40 Ultraverrückte am Start, viel mehr als beim letzten Mal. Ein nettes Volk, die meisten wollten am nächsten Wochenende einen ernsthafteren Ultra laufen und machten hier "nur" ein paar Marathönchen zur Einstimmung. Mein Plan war immer drei Stunden bzw. 10 Runden also ca. 20km zu marschieren und dann ein etwas längeres Päuschen zu machen. Bis um Mitternacht klappte das auch recht gut. Im ersten Schwung war ich wohl, wie ich jetzt im nachhinein feststelle, mit ca. 7 km/h unterwegs, denn die Füße habe ich mir wohl um 23:50 gewaschen, wie mir meine Bilderauswertung jetzt zeigt. Und die Ohren sollten auch nicht vergessen werden.

Dann ging es weiter in die Nacht. Auf der Strecke wurde es ruhiger, nur noch die Ultras unterwegs, und auch von denen legte sich mach einer auch ein paar Stündchen auf`s Ohr. Es wurde immer kälter ich zog nacheinander eine weiteres Hemd, ein weiteres T-shirt, eine Weste zusätzlich zur Fleecejacke, und eine Fleece-mütze an. Die Temperatur ging wohl runter bis nahe Null Grad, die Nacht war klar. Das kleine Radio das ich mithatte unterhielt mich etwas. Georg hatte sich ein Marathönchen ohne große Vorbereitung vorgenommen. Er war erst sehr zügig unterwegs, um am Ende dann deutlich langsamer zu werden. Später sollte es mir ja ähnlich ergehen.  Das THW machte wieder Licht. Wieder etwas zu viel des Guten, da der Superstrahler doch ganz schön blendete. Aber offiziell war es wohl eine Übung und das wurde alles eingesetzt was man hatte. Bewundernswert wie die Jungs neben dem Lauten Generator saßen in der kalten Nacht und eingentlich nur abwarteten ob der Strom mal ausfällt. Und das immer mit mindestens 4 Männern.

Dann kam der Morgen und das Licht konnte abgebaut werden, die Sonne übernahm den Job und zwar recht intensiv an diesem Samstag. Am Ende des Tages hätte ich mir etwas weniger Sonne gewünscht...

Pünktlicher als im letzten Jahr wurde gegen 8 Uhr ein tolles Frühstück angeliefert. Leckere Lachsbrötchen waren dabei, Müsli und Jogurt, alles wunderbar, wie überhaupt die Verpflegung wieder mal ganz klasse war. Neben typischer Sportlernahrung wie Riegel, und Obst und verschiedenste Getränke gab es bei Bedarf auch deftiges vom Schlachter. Leckere Steakbrötchen, Pommes rot weiß und ähnliches.

Um 9 Uhr zur Halbzeit der 24 Stunden lag ich ungefähr bei der KM Leistung des Vorjahres. Wenn ich so weiter machen würde wären 120 bis 130km gut zu schaffen rechnete ich mir aus. Richtige Probleme gabe es nicht, als ich drei Stunden nach dem Frühstück so gegen 11 Uhr eine weiteres Päuschen einlegte und die Idee hatte mich massieren zu lassen. Im Nachhinein ein böser Fehler. Nicht das die Massage nicht gut gewesen war, nur leider war sie ZU gut. Ca. eine halbe Stunde wurden meine Waden massiert, obwohl der nette Masseur meinte, da wäre ja kaum was verhärtet und in der Tat fühlte sich alles recht angenehm an. Das kannte ich auch ganz anders. Nun prima, dann könnte ich ja jetzt schön weiterwandern dachte ich. Doch Pustekuchen. Wieder in den Schuhen streikte plötzlich der linke Fuß. Der hatte sich jetzt wohl etwas zu sehr entspannt und war reichlich angeschwollen. Die Einlagen wollten alles wieder in die richtige Position drücken was sich das so schön entspannt hatte und das tat weh. Erst nach 1-2 km war alles wieder halbwegs eingelaufen aber rund war das nicht mehr. Nun gut, dann eben jetzt mit Schmerzen weiter wandern, dachte ich mir und drehte meine Runden. Es müssen ja keine neuen Rekorde fallen, den Anspruch hatte ich ja nicht. Also einfach weiter machen und ab und an ein Päuschen. Die nächste Rast dann um 14 Uhr mit zwei Steakbrötchen und mit einem halben Liter alkoholfreiem Weizen und einer Fahrt auf der Bimmelbahn, die aber nicht als Wanderrunde gezählt wurde.


Auf diesem Pausenbild bin ich noch recht fröhlich zu sehen, die nächsten vier Stunden waren dann einfach nur noch anstrengend und schmerzend. Ich verabschiedetet mich von dem Gedanken die ganzen 24 Stunden durchzumarschieren und wanderterte jetzt mit meiner 10 jährigen Freundin Leonie zusammen die ich im letzten Jahr kennen gelernt hatte. Bis zur 100 km Marke waren es zu dem Zeitpunkt noch 20km, also zehn Runden. Das müsste doch zu schaffen sein. Leider wurde der wehrte sich der Fuß immer mehr und ich wurde immer langesamer und das humpeln wurde immer stärker. Hausfrauen und Greise überholten mich so langsam und ich sehnte ich nach einem Rollator aus dem nahegelegenem Seniorenheim. Einer der älteren Herrschaften meinte: "Junge, Junge, datt gipt aba Muskelkata Morgen" Mitleidige und verständnislose Blicke. Vier Runden (8 km) vor Schluss suchte ich mir einen Stock als Gehhilfe. Auch von den anderen Ultraläufern war so mancher zum Ultrawanderer geworden, aber ich denke ich war der lahmste zu diesem Zeitpunkt. Nun hatte ich für mich als Parole ausgegebe: Und wenn ich auf Knien ins Ziel krieche, die 100km werden voll gemacht. Sogar das verlockende "Rent a Runner" Angebot für einen Euro pro Runde die letzen zwei Runden laufen zu lassen, schlug ich aus. Mache begannen sich ernsthaft Sorgen zu machen, aber die Ultras kennen das ja und wissen das mach auch Mal etwas leiden können muss. Ich wusste auch das es ja nichts Gesundheitsgefährdendes war und das am nächsten oder übernächsten Tag es schon wieder besser gehen würde. Also hieß es jetzt einfach mal "mentale Härte" zu trainieren. Das klappte auch. Langsam, ganz langsam ging es auf die letzte Runde zu. Der Stock wurde wieder an den Rand der Strecke geschmissen. Vor der letzten Runde bestellte ich mir schon mal einen Eimer Eiswasser. Dann schnappte ich mir das "100km geschafft" Schild und mit Hilfe der Endorphiene stürtze ich mich mit Kampfesgebrüll in die letzte Runde. So ungefähr müssen dich schottische Highländer beim Angriff gefühlt haben, nur die Dudelsackmusik fehlte. Jedem den ich begegnete streckte ich stolz mein 100km Schild entgegen. Überall wurde gratuliert und applaudiert von denen die noch auf der Strecke waren. Publikum gab es zu dem Zeitpunkt kaum noch. Erleichtert dann im Ziel das Eiswasser, Bilder machen, Schuhe ausziehen. Was zu essen und zu trinken holen und einfach nur sitzen.
Georg und Eddi holten den müden Krieger eine Stunde später dann ab. Den Rucksack musste ich mir leider tragen lassen und die Treppe zur Wohnung war für mich wie der "Hillary Step" am Mount Everest. In der Badewanne wäre ich fast schon eingeschlafen und die folgende Nacht schlief ich dann sehr, sehr fest und konnte am Sonntag dann schon wieder langsam, aber fast schon wieder normal mit Spaziergengehen. Allerdings mit ausgedehnten Eis und Cafepausen bevor es wieder in den Zug nach Hamburg ging.

Und was ist die Moral von der Geschichte? Es gibt gleich mehrere:
  • Training ist nicht unbedingt ein Fehler
  • Massagen können sehr hilfreich sein, oder auch nicht
  • Es ist nicht ganz blöde auch mal durchgelatschte Einlagen und Schuhe einmal zu ersetzen
  • Wenn der Kopf stimmt geht vieles was sonst nicht gehen würde